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Früher Cannabiskonsum und Hirnentwicklung

In einer kürzlich veröffentlichten Studie wurde der frühe Konsum von Cannabis bei 14-Jährigen untersucht – schon der ein- bis zweimalige Konsum geringer Dosen könne laut dieser Studie zu Beeinträchtigungen führen in Bezug auf Denkvermögen, Arbeitsgeschwindigkeit und Geschicklichkeit.

16.01.2019

Die Studie beruht auf Daten aus der Imagen-Studie, in der Schüler/innen aus Deutschland, England, Irland und Frankreich untersucht wurden. 46 Jugendliche hatten angegeben, erst maximal zweimal Cannabis konsumiert zu haben. Eine Kontrollgruppe mit 69 Jugendlichen dagegen hatte im Alter von 14 Jahren nach eigenen Angaben noch keine Erfahrungen mit Cannabis gemacht. Die Daten zeigten bei ihnen im Vergleich zur Kontrollgruppe

  • eine Veränderung in Form von Zunahme bei der grauen Hirnsubstanz sowie
  • schlechtere Ergebnisse, was Denkvermögen, Arbeitsgeschwindigkeit und Geschicklichkeit betraf.

Für Prof. Dr. Rainer Thomasius, dem ärztlichen Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendaltes in Hamburg, deuten diese Untersuchungen darauf hin, dass nicht erst langjähriger, regemäßiger und früh begonnener Konsum zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen, sondern auch schon „ein oder zwei Konsumanlässe in der Pubertät zur Veränderungen im Bereich des zentralen Nervensystems führen können.

Allerdings beruhten die Angaben zum Cannabiskonsum ausschließlich auf Selbstaussagen in Form eines Fragebogens. Informationen zur Dosis und Überprüfungen durch Drogenscreenings und Laboruntersuchungen von Blut oder Urin wurden nicht erhoben. Aufgrund dieser fehlenden Daten rät Dr. Eva Hoch, Leiterin der Forschungsgruppe Cannabinoide am Klinikum der Universität München, in der WAZ zu einer vorsichtigen Interpretation der Studienergebnisse: "Die Frage nach einem kausalen Zusammenhang zwischen den sehr geringen Dosen des Cannabis-Konsums und den beobachteten Effekten sollte mit Vorsicht beantwortet werden. Die Angaben der jugendlichen Probanden zu ihrem Cannabis-Konsum basieren auf Selbstaussagen. Um zu verifizieren, dass ausschließlich Cannabis gebraucht wurde – und dies nur ein- oder zweimal – wären Drogenscreenings sinnvoll gewesen."

Nichtsdestotrotz untermauert die Studie die Forderung nach Prävention, wie Hoch betont: "Die Studie zeigt, dass früh mit der Aufklärung über die Wirkung von Substanzen wie Alkohol, Tabak und Cannabis begonnen werden muss."

https://www.morgenpost.de/vermischtes/article216210055/Cannabis-Angststoerung-Denkvermoegen-Diese-Folgen-haben-Joints-bei-Jugendlichen.html

Zur Forschungslage über Cannabis:

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2019-01/cannabis-konsum-gefahren-wirkstoffgehalt-anstieg/komplettansicht

 


Info

Die graue Hirnsubstanz bildet die Großhirnrinde und ist damit ein wesentlicher Bestandteil des zentralen Nervensystems. Hier laufen Sinneswahrnehmungen zusammen und werden weiterverarbeitet – sehen, hören, fühlen, sprechen, vorausschauendes Denken und Planen sowie das Gedächtnis – all diese Prozesse finden in der grauen Substanz statt. Sie nimmt knapp die Hälfte des gesamten Hirnvolumens ein.

Zu den modernen Bildgebungsverfahren zählt die Voxel-basierte Morphometrie. Ein "Voxel" entspricht der dreidimensionalen Variante eine "Pixels", also eines Bildpunktes. Bei der Voxel-basierten Morphometrie des Gehirns geht es um eine räumliche Darstellung der Hirnstruktur.


 

 

 

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